SAP mit Drittanbieter-Tools verbinden

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Daten und Kontext

Kategorien
Data Management, Tech & Tools

Schlagworte
SAP Konnektoren, Data Analytics, Fivetran

Autor
Rebecca Schmidt

Lesedauer
3 Minuten

Warum es Sinn macht, aus dem SAP-Kosmos auszubrechen

Immer mehr Unternehmen verlassen ihren SAP-Kosmos. Selbst wenn sie das Softwareangebot seit Jahrzehnten unternehmensweit erfolgreich nutzen und gewisse Standards schätzen, verlangen die steigenden Anforderungen an ein modernes und datengetriebenes Unternehmen nach neuen Softwarelösungen. Tatsächlich macht es unter bestimmten Voraussetzungen Sinn, Drittanbieter in Betracht zu ziehen.

 

SAP ist mit verschiedenen Softwaresystemen berechtigter Marktführer. Die größeren Sparten wie SAP BW für Aktivitäten im Bereich Business Intelligence, SAP HANA für die Echtzeitauswertung von Big Data, das Controlling-Instrument SAP CO sowie SAP CRM und SAP HR unterstützen die einzelnen Abteilungen größerer Unternehmen vollumfänglich. Zudem sind die Funktionalitäten und das User Interface höchst individualisierbar. Mit diesen umfangreichen und mächtigen Software Tools kann theoretisch jede Abteilung über ihre eigene SAP-Einheit verfügen.

Was ist SAP?

SAP gehört zu den führenden internationalen Softwareunternehmen und stellt seit mehreren Jahren den Standard in ERP-Systemen dar. Die Abkürzung SAP steht für “Systemanalyse Programmentwicklung” und ist eine Kurzform des ursprünglich deutschen Namens. In Deutschland nutzen 77 % der Unternehmen ein ERP-System, davon 29 der DAX-30 und fast alle MDAX-Unternehmen SAP. SAP bietet zahlreiche Komponenten, die nahezu alle Unternehmensprozesse abdecken können. Vom ERP-System über CRM bis hin zu HR-Software können insbesondere große Unternehmen unkompliziert ihren Tool Stack erweitern, ohne nach anderen Softwareherstellern Ausschau halten zu müssen.

Inzwischen setzt SAP zudem verstärkt auf die Cloud. Das schlägt sich in deren Zahlen nieder: Die Cloud-Erlöse stiegen Mitte 2021 um 20 % im Vergleich zum Vorjahr. Immer mehr Kunden und Kundinnen satteln von On-Premise auf die Cloud um, bleiben SAP dabei jedoch treu. Besonders wenn so viele SAP-Subsysteme in einem Unternehmen existieren, wird es schwer, aus der SAP-Welt auszubrechen, um auf Tools von anderen Anbietern zurückzugreifen. Böse Zungen behaupten gar, SAP hält die Integration zu anderen Plattformen absichtlich kompliziert. Gründe auszuweichen, gibt es allerdings reichlich.

 

1. Individualisierung führt zu komplizierten Integrationen

Ein großes Verkaufsargument für SAP ist die Möglichkeit, jedes System individualisieren zu können. Optisch wie funktional kann SAP zu einem großen Teil auf Unternehmensanforderungen und Abteilungswünsche angepasst werden. Das klingt auf Anhieb erst einmal wie eine flexible und praktische Angelegenheit.

Problematisch wird dabei, dass SAP dennoch weiterhin einheitlich im Unternehmen funktionieren muss. Wenn also die HR-Abteilung bestimmte Funktionalitäten einsetzt und die Marketing-Abteilung wiederum andere nutzt, muss im Controlling dennoch alles kongruent integriert werden. Die Bündelung aller Abteilungen im Business Warehouse oder in der Cloud von SAP ist bereits mit hohem Aufwand verbunden.

Trotz eigens durch SAP entwickelter Integrationsmöglichkeiten wie BAPI und IDoc, führen die vielen Integrationsanforderungen schnell zu komplexen Problemen bei der Entwicklung und Bereitstellung von Software. Diese können letztlich nur von geschultem Personal gelöst werden. Entweder beschäftigt das Unternehmen also ein internes SAP-Team oder es kauft sich die Kompetenzen extern ein.

Das wiederum führt zu zeitlichen Problemen. Es können Monate vergehen, bis kompetentes Personal gefunden ist oder das Projekt endlich aufgesetzt ist. Wer allerdings Analysen und Visualisierungen dringend in seinen Berichten umsetzen will, um datenbasierte Entscheidungen zu treffen, braucht schnelle Lösungen. Ansonsten werden wichtige Datenprojekte ausgebremst oder sogar gestoppt.

 

2. Komplexität bremst Projekte aus

Angenommen, das Unternehmen entscheidet sich für die Umsetzung von Integrationen und Individualisierungen nun doch für den Einsatz eines internen Teams oder einen externen Dienstleister, birgt SAP auch jetzt eine große Gefahr: die Überindividualisierung hin zu Komplexität. Komplexität verlangsamt jedoch den Projektfortschritt. Jedes Update und jede Erweiterung muss erst durch interne, dann durch technische Schleifen geleitet werden. Was sowieso schon lange dauern kann, wird nun noch stärker ausgebremst. Updates auszusetzen macht dagegen auch keinen Sinn, da keine Verzögerungen aufgrund von alten Versionen riskiert werden können.

Innerhalb von SAP akute und dynamische Projekte umzusetzen scheint schwierig und langwierig zu sein, zumal immer noch weitere Faktoren hinzukommen können, die den Projekterfolg negativ beeinflussen. Datenprojekte aber müssen agil, schnell und flexibel bleiben. Verantwortliche brauchen den Freiraum, Tools und Ansätze auszuprobieren und Fehler machen zu können. Eine Herkulesaufgabe?

Nicht unbedingt. Konnektoren wie beispielsweise Fivetran können hier Abhilfe schaffen. Erst vor Kurzem hat Fivetran durch den Aufkauf des Unternehmens HVR Software SAP-Konnektoren zum eigenen Portfolio hinzugefügt. Die Übertragung von SAP-Daten in ein weiteres System, wie zum Beispiel das Self-Service BI-Tool Tableau oder ein Cloud Data Warehouse wie Snowflake, wird dadurch endlich ermöglicht. Letzteres kann dadurch sogar als Single Source of Truth im Data Stack avancieren.

 

3. Umfangreiche Visualisierungen fehlen

Selbst wenn die zwei vorhergehenden Gründe wegfallen würden, bliebe da noch eine letzte Motivation, die eigene SAP-Welt um Drittanbieter-Tools zu erweitern: Visualisierungen. Ansprechende, schnell zu durchblickende und informative Reportings leben von Visualisierungen. Erst durch sie werden Kennzahlen und Informationen auf einen Blick verständlich, so dass aus ihnen Maßnahmen und Ideen abgeleitet werden können.

Werden zusätzlich zu vorhandenen SAP-Modulen die SAP Analytics Cloud (SAC) oder SAP Lumira eingesetzt, sind zwei Komponenten vorhanden, die Daten analysieren und darstellen können. Lumira soll sukzessive von SAC abgelöst werden. Letzteres bietet zwei verschiedene Dashboard-Modi: Stories, bei denen die Visualisierungen per Drag and Drop erstellt werden können, und Analytics Designer, welches über Scripting läuft und damit eher für Personen mit Entwicklungserfahrung geeignet ist. Dashboards sind zumindest in den Stories unproblematisch zu erstellen.

Leider sind die Visualisierungen limitiert. Herkömmliche Darstellungsarten werden einfach erstellt und schnell platziert. Benutzerdefinierte Visualisierungen, die darüber hinausgehen, stehen bei SAC aber nicht zur Verfügung. Wer weitere Typen nutzen möchte, hat nicht einmal die Option, sie käuflich zu erwerben. Wer zudem keine Scripts schreiben will, kann auch nicht auf den Analytics-Designer-Modus ausweichen. Mit SAC sind die Reportings aller nutzenden Teams repetitiv und simpel. Das mag für wenige Use Cases genügen, reicht aber zur Darstellung von komplexen Zusammenhängen nicht aus.

Technologische Ausweichmöglichkeiten sind dabei unter anderem Tableau oder Power BI, die sich völlig zurecht als marktführend im Bereich benutzerdefinierter Visualisierungen etabliert haben. Diese Tools zeigen weiterhin große Stärken in den Bereichen Datenmodellierung und Datenanbindung, in denen sie SAC um einiges abhängen. SAP ist durch native Konnektoren an beide Alternativen mit wenigen Klicks anbindbar.

 

Innovative Datenprojekte auch mit SAP möglich

Drittanbieter-Tools bereichern nicht nur den SAP-Stack, sondern sparen vor allem Zeit und Mühen. Ein aktuelles Beispiel hierfür liefert der Online-Händler Zalando. Der Konzern entschied sich 2018 für die Einführung von S/4 Hana, um die Geschäftsprozesse rund um Finanzen, Personal und Waren besser steuern zu können. Doch allein auf SAP verlässt sich Zalando nicht. Vertrieb und Marketing setzen auf Salesforce, die IT nutzt die Cloud-Dienste von AWS. Das Unternehmen setzt auf einen modular optimierten Tech Stack.

Verständlicherweise empfinden es viele Unternehmen als große Hürde, von ihren SAP-Subsystem abzulassen und aus aus ihrer gewohnten Prozess-Welt auszubrechen. Technologische Veränderungen, die im ersten Schritt vielleicht als anstrengend empfunden werden, bringen jedoch bald sowohl Erleichterungen in der Systemnutzung als auch Wettbewerbsvorteile mit sich. Innovative Datenprojekte scheitern künftig nicht mehr am gefürchteten SAP-Stau.

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